Facebook und Co. sind eben nicht kostenlos
Zur Abwechslung kommt heute mal wieder ein Beitrag zum Bezahlen mit Daten bei Facebook und Co. In der Diskussion gibt es verschiedene Lager. Die einen widersprechen den AGB per Pinnwandeintrag und glauben, damit irgendetwas zu erreichen. Mit dieser Sorte Aktionismus habe ich mich bereits in meinem Beitrag „Widerspruch gegen Facebook AGBs ist sinnlos“ beschäftigt. Die anderen reklamieren ihr Eigentum an ihren geteilten Inhalten; dabei steht das gar nicht zur Diskussion. Wieder andere nutzen die Plattformen, ohne sich über irgendwas Gedanken zu machen. Doch was passiert wirklich, sobald Menschen sich bei Social Media anmelden?
Hinterfragen lohnt sich
Beginnen wir damit, dass die Registrierung und Nutzung von Facebook und Co. kein Geld kostet. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum das so ist? Normalerweise müssten da sofort die Alarmglocken schrillen, denn was gibt es sonst einfach so geschenkt? Ein Konzern, der Milliardenumsätze macht und ein technisch hochkomplexes Portal weltweit zur Verfügung stellt, tut das mit Sicherheit nicht aus Menschenliebe.
Das Problem ist die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität. Nutzer sehen die Verwendung von Facebook nicht als Leistung, sondern als selbstverständliches Onlineangebot. Bei vergleichbaren Modellen wie Payback ist die Wahrnehmung sogar noch verzerrter. Dort glaubt der Nutzer, etwas geschenkt zu bekommen, und gibt sein gesamtes Einkaufsverhalten für ein paar Rabattpunkte preis.
In der Realität wird der Konzern durchaus von seinen Nutzern bezahlt. Bezahlen mit Daten ist hier das Geschäftsmodell.
Und wenn man doch mit Geld bezahlt?
Als Reaktion auf einen verbindlichen Beschluss des Europäischen Datenschutzausschusses hat Meta im November 2023 ein Abo-Modell eingeführt. Wer Facebook oder Instagram in Europa nutzen will, wird seither vor die Wahl gestellt: entweder ein kostenpflichtiges Abo ab 5,99 Euro pro Monat abschließen oder die Zustimmung zur Verwendung der eigenen Daten für Werbezwecke geben.
Das klingt auf den ersten Blick nicht schlecht, allerdings gibt es zwei erhebliche Einschränkungen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen weist zu Recht darauf hin, dass „werbefrei“ nicht „datenfrei“ bedeutet. Die Daten von zahlenden Nutzern werden sehr wohl für andere Zwecke wie die Verbesserung der Dienste genutzt. Außerdem hat der Europäische Datenschutzausschuss im Jahr 2024 klargestellt, dass solche Modelle in den meisten Fällen nicht die Voraussetzungen für eine freiwillige Einwilligung erfüllen. Also immer noch keine saubere Lösung.
Als ich versucht habe herauszufinden, wie hoch der Anteil der Nutzer mit Abo derzeit ist, musste ich feststellen, dass es bisher keine offiziellen Daten darüber gibt. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass es nicht so viele sind. Ich verweise an dieser Stelle also einfach noch mal auf die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität.
Der Zahlen-mit-Daten-Vertrag
Wer mit Daten bezahlt, schließt juristisch einen sogenannten Zahlen-mit-Daten-Vertrag. Seit dem 01.01.2022 stellt § 312 Ia S. 1 BGB klar, dass die verbraucherschützenden Vorschriften des BGB für digitale Produkte voll greifen, wenn Daten die Gegenleistung sind. Damit gelten Widerrufsrechte, Informationspflichten und vertragliche Ansprüche genau wie bei einem Vertrag, der mit Geld bezahlt wird.
Datenschutzrechtlich ergibt sich die Rechtsgrundlage für die Verarbeitung aus Art. 5 i. V. m. Art. 6 I lit. b) DSGVO. Die Verarbeitung dient der Erfüllung eines Vertrags. Interessant ist dabei, dass gerade die Nutzung der Daten den Vertragsinhalt bildet.
Aufgrund der Privatautonomie kann jeder einen solchen Vertrag schließen. Der Schrei nach mehr Datenschutz greift deshalb nur zum Teil.
Mein Tipp: Think before you surf
Die wichtigste Schutzmaßnahme sind Sie selbst. Es würde auf jeden Fall helfen, wenn mehr Menschen bereit wären, Onlineangebote zu hinterfragen und ihr Verhalten entsprechend anzupassen. Dafür gibt es sogar einen Begriff. Er nennt sich verantwortungsvolles Surfen.
Überlegen Sie vor der Anmeldung, ob die Plattform den Datenpreis wert ist. Wenn Sie bereits Teil der Community sind, haben Sie immer noch alle Möglichkeiten, denn Sie müssen ja nicht alles von sich preisgeben. Einfach vor dem Posten kurz über die Inhalte nachdenken und im Zweifel nicht veröffentlichen.
Ja, so einfach kann es manchmal sein.
